Leseprobe „Sex mit tödlicher Nebenwirkung“

 

 

Wolfram Christ

Sex mit tödlicher Nebenwirkung

1. Auflage der überarbeiteten Neuausgabe

 

 

comediantes

Verlag für Lyrik und Belletristik des 21. Jahrhunderts

 

e-book / PDF / ISBN 978-3-946691-09-9

 

© 2020 www.comediantes.de


 

 

Inhalt

 

      4  Aus und vorbei

 

    14  Wahnsinn mit Methode

 

    37  Sarah

 

    49  Ein Opfer kommt selten allein

 

    68  Fragen über Fragen

 

    91  Die Liste

 

  109  Freiheit

 

  131 In der Sackgasse

 

  148  Weit weg

 

  165  Kein Traum vom Glück

 

  185 Tina

 

 

Aus und vorbei

 

   Kaum hörbar arbeiteten die Kolben unter der Motorhaube. Ruhig und gleichmäßig. Ein sonores Summen. Regentropfen prasselten. Dick und schwer klatschten sie direkt vor meinem Gesicht auf die Frontscheibe. Das war kein Regen mehr. Das war Eis! Im Nu überzog ein jungfräulich weißer Film die linke Fahrspur. Der Laster vor mir erzeugte hässlich graue Fontänen. Ich stellte die Scheibenwischer schneller. Wirkung gegen null. Beschissenes Ende eines beschissenen Tages. Und das, so kurz bevor ich von der Autobahn runter musste. Nicht auszudenken, wenn der Brummi die gleiche Ausfahrt nähme.

   Ein Blick in den Spiegel, ein Blick nach links, blinken und dann ganz vorsichtig das Lenkrad herum. Nur ein klein wenig. Das Gaspedal tiefer getreten. Weich zog der Wagen auf die unberührte Überholspur. Frisches Weiß blendete im Schein-werferkegel. Dichtes Treiben. Das Fahrgeräusch der Reifen änderte sich. Leises Knirschen. Ich sah zur Temperaturanzeige. Null, minus nullkommafünf, minus eins. Das hieß, dass die Außentemperatur in kaum dreißig Sekunden, seitdem sich die Tropfen in Eisgraupel verwandelt hatten, um ziemlich genau fünf Grad abgestürzt war.

   Ich befand mich jetzt direkt neben dem LKW. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, als würde mich sein Sog stärker als üblich nach rechts ziehen. Seine Radkästen kamen bedrohlich nah. Ich versuchte gegenzusteuern.

 

   Glucksend und blubbernd umschmeichelte das warme Bade-wasser Sarahs Haut. Die Achtzehnjährige rekelte sich im Whirlpool. Sie dehnte sich, zog die Beine an, drehte sich leicht und streckte sie wieder aus. Sie wusste, dass der Mann sie beobachtete. Sie wusste es. Sie genoss es. Sollte er. Strobel war ein alter Bock. Schwammige Visage. Dauergrinsen … wenig-stens wenn Sarah sich in seiner Nähe aufhielt. Aber er zahlte gut. Sehr gut sogar. Jedes Gramm Fett seines Wabbelbauches ein Geldschein. Musste nur richtig gemolken werden. Und … Strobel hatte keine Angst. Keine Angst, ein Mädchen einzuladen, das viele andere neuerdings mieden. Das sie mieden, als hätte es die Pest.             

   Luftbläschen perlten am Nacken der Badenden aufwärts, spielten mit ihren Locken, kitzelten unten zwischen den Beinen. Sarah bekam eine Gänsehaut vor lauter Lust. Strobel war dicht an die Wanne herangetreten, krempelte die Ärmel hoch und begutachtete sie mit unverhohlener Gier. Sarah hielt seinem Blick stand.

   „Möchtest du mich nicht bisschen verwöhnen? So vom großen Zeh an aufwärts?“ Dabei streckte sie ihren rechten Fuß aus dem Wasser. Der Mann griff zu. Schweiß brach ihm aus allen Poren. Wenn dieses junge, wundervolle Geschöpf ihn so selbstbewusst herausforderte, stieg in dem distinguierten Gentleman jedes Mal eine Hitzewelle hoch. Dann sah er sich außerstande, Haltung zu bewahren. Heute mehr denn je. Sollte er beunruhigt sein? Wegen der Geschichte mit den Morden? Was, wenn er den Fuß einer eiskalten Killerin in Händen hielt? … Sarah? … Unsinn! Allein diesem Engel zuzusehen, wog jede Gefahr auf. Voll und ganz.

   Strobel hockte sich nieder und begann, Sarahs Waden zu massieren. Und er massierte gut. Sehr gefühlvoll. Sie schloss die Augen. Seine Hand arbeitete sich langsam den Schenkel empor. Das aufregende Prickeln einer unkonventionellen Beziehung. Anders als die albernen Schulhofromanzen ihrer Klassenkameradinnen. Abenteuer pur. Gewinnbringend.

   Außerdem waren die Erfahrungen der alten Kerle durchaus nicht zu verachten. Wie sanft entschlossen seine Finger ihre Brust umfingen. Sarah schnurrte vor Vergnügen wie ein Kätzchen.

   Filialleiter Strobel, dem seriösen Banker, wurde über seiner freudvollen Tätigkeit der Atem knapp. Endlich zerrte er sich den Schlips vom Hals. Dann packte er Sarah. Das Leichtgewicht bereitete ihm trotz seiner Körperfülle keine Schwierigkeit. Schwäche zu zeigen, konnte er sich ohnehin nicht leisten; jedenfalls nicht vor so einem jungen Ding. Er hob sie aus der Wanne und trug sie, tropfnass wie sie war, quer durch den langen Flur hinüber zum Schlafzimmer. Das Mädchen kreischte auf, als er es mit Schwung auf sein mondänes Doppelbett warf.

   Sarah wusste genau, jetzt hatte sie ihn. Es gab kein Entrinnen. Er war ihr ausgeliefert. Nur noch einen Moment. Der Mann keuchte. Sie machte ihn wild. Wie ein gehetztes Reh kauerte sich die Kleine an der oberen Bettkante zusammen. Taktik. Die Taktik einer Raubkatze, die auf ihre Chance wartet. Er war wie von Sinnen, kroch auf allen Vieren auf sie zu. Aber kaum, dass er über sie kam, schnellte sie hoch und stürzte sich nun ihrerseits auf den wehrlos auf den Rücken kugelnden Mann-Käfer. Jetzt war sie Chef im Ring. Seine Herrin. Fauchend zeigte sie ihm die Zähne.

   Dr. Hartmut Strobel durchzuckte ein Glücksgefühl. Ihm schwindelte. Er sah sie nicht mehr, spürte sie dafür umso intensiver. Was für ein Mädchen! Fast ohne Überleitung ging sein atemloses Grunzen in ein genussvolles Aufstöhnen über. Was für ein Mädchen!

 

   Wie ein Puck gegen die Bande des Eishockey-Feldes geschleudert, prallte der Wagen von der Mittelleitplanke zurück. Ein letztes Mal versuchte ich, meine Fahrkünste in die Waag-schale zu werfen, dem Unausweichlichen zu trotzen. Es half nichts. Um mich drehte sich die Welt im Kreis. Als das Karussell innehielt, sah ich den Brummi, den ich eben überholt hatte, direkt vor mir. Er raste mit kaum verminderter Geschwindigkeit frontal auf mich zu. Merkwürdigerweise kam er trotzdem nicht näher. Meine Räder rutschten immer noch. Rückwärts. Ich gab es auf, irgendetwas selbst tun zu wollen, ließ mit mir geschehen.

   Verblüffend, wie ruhig mich diese erzwungene Passivität machte. Angst? Eher weniger. Dafür Neugier. Tatsächlich, Neugier. Was passiert, wenn mich das große Fahrzeug erfasst? Der Augenblick des Todes – finales Erlebnis oder Übergang in eine andere Dimension?

   Noch blieb mir eine Galgenfrist. Noch schleuderte ich ein zweites Mal gegen die Leitplanke. Mit der Motorhaube. Ein Blitz. Bunte Plastik und schwarze Metallteile flogen. Das Auto pendelte um seine Achse zurück. Es krachte erneut. Diesmal hinten am Heck. Dann tauchte der Lastwagen wieder vor mir auf. Ich musste mit unglaublicher Geschwindigkeit über das Eis segeln, dass er mich bisher nicht erwischt hatte. Und ich segelte weiter. Meter um Meter, der Standspur zu. Auf dieser Seite gab es keine Leitplanke. Nur Bäume, Gestrüpp und ein Feld. Abschüssig. Großer Gott!

   Ein Stoß. Ich kippte. Ein Stück. Nicht völlig. Bis zu einem toten Punkt. Stille. Unerträglich lange Augenblicke. Dann wippte der Wagen auf seine vier Räder zurück. Und endlich bewegte sich nichts mehr. Gar nichts. Schluss. Aus. Vorbei.

 

   Mit Blaulicht und Sirene raste der Streifenwagen in Richtung Norden. Mitten durch ruhig verschlafene Straßen, fernab des Trubels im Zentrum. Gleich darauf ein zweiter und ein Zivilfahrzeug – ebenfalls mit Blaulicht. Zwei Notarztwagen folgten. Erstaunt hielten ein paar Passanten inne, sahen den Wagen nach. Die Nacht war jung für Leipziger Verhältnisse. Genau genommen zu jung, als dass es schon die erste Schlä-gerei unter Betrunkenen sein konnte, die den Lärm verursachte. Zumal die, wenn überhaupt, in der entgegengesetzten Richtung zu erwarten wäre. Noch strömten Vergnügungssüchtige den Tempeln der Spaßgesellschaft  in der Innenstadt zu. Leute, für die die Nacht erst richtig anfing, wenn anderswo die ersten Wecker klingelten.

   Fette Beats dröhnten aus den Betonkasematten der ehemaligen Stasizentrale. Treffpunkt der Backfische. Gegeelte Lackaffen fortgeschrittenen Alters protzten im alten Untergrundmessehaus am Markt mit breiten Goldkettchen und aufgetufften Bräuten. Unweit davon, zwischen beiden gelegen, hallte Gelächter aus verschiedenen Studentenkneipen und Kaffeehäusern durch die engen Gassen und Passagen.

   Drüben im Metropolis ließen die, die wirklich Geld in der Tasche hatten, die Puppen tanzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit langen Beinen auf hohen Tresentischen. Champagner! 80 Mark die Piccolo Flasche.

   Die Stadt bebte. Sie fieberte dem Samstagmorgen entgegen. Endlich Wochenende! Ristorantes, Pubs, Varietés, kubanische Bars, Bordelle, bayerische Bierstuben. Für jeden Geschmack das Passende. Neuankömmlinge mischten sich mit jenen, die schon vor Stunden aus der gesitteten Langeweile von Kinos und Theatern in das bunte Treiben der Straße gesickert waren.  

   Anders im Norden der Stadt. Dort, wo der Konvoi der Polizei- und Sanitätsfahrzeuge durch die Nacht jagte. Wo er schließlich in einer Seitenstraße zwischen noblen Altbauten anhielt. Hier war das pulsierende Leben der City nur mehr als fernes Echo zu erahnen. Und auch das erst, nachdem die hektisch aus ihren Wagen springenden Leute die Sirenen abgeschaltet hatten.

 

   Ziemlich schräg stand ich zwischen zwei kleinen Obstbäumen im Morast des Feldraines. Der Schlamm hatte mich auf-gefangen. Nicht auszudenken, wäre hier eine Leitplanke gewesen. Der Laster war an mir vorbeigerauscht und gut hundert Meter weiter hinten erst zum Stehen gekommen. Ich hatte nicht das Geringste abbekommen. Kein Kratzer, kein Kopfschmerz, nichts. Das schien angesichts meines leicht-sinnigen Überholmanövers so unwahrscheinlich, dass ich es kaum glauben mochte.

   Ein ungeheures Gefühl von Glück und Dankbarkeit. Klar, das Auto war hin, die Chance, noch vor dem Morgengrauen daheim zu sein, so gut wie vertan. Wochenendausflug ade. Eine Menge Bürokratie lag vor mir. Aber … ich lebte! Der Brummifahrer und zwei Männer, die mit ihren PKW sofort gehalten hatten, um mir zu helfen, sahen mich ziemlich verwirrt an, als ich ihnen selig lächelnd erklärte, es sei nichts geschehen und sie könnten beruhigt weiterfahren. Vermutlich waren sie der festen Überzeugung, dass bei mir durch den Schock einige Schrauben locker saßen. Womöglich hatten sie damit sogar recht. Sie hatten meine Todesspirale mehr oder weniger ausführlich beobachten können und mit mir gelitten. Ich glaube, die drei waren blasser als ich.

   Allerdings beunruhigte mich das Zischen unter der völlig zerbeulten Kühlerhaube. Dampf kroch aus den leeren Grotten, in denen sich bis eben Scheinwerfer befunden hatten. Ich stellte das Warndreieck auf und postierte mich mit meinem Telefon in gehöriger Entfernung von der Unfallstelle. Ich wollte auf Nummer sicher gehen. Dann setzte ich alle, die es wissen mussten, über mein Missgeschick in Kenntnis. Automobilklub, Polizei, …

   Die nasse Kälte, die mit dem Matsch über den Rand der Halbschuhe in meinen Körper drang, ließ die Warterei zur Tortour werden. Gestern Morgen hatte ich die Stiefel schon in der Hand gehabt. Das war schon mal die erste Fehlentscheidung des Tages gewesen.

 

   Es klingelte. Einmal kurz. In der Villa der Webers rührte sich nichts. Der Samstagmorgen war dem vielbeschäftigten Manager normalerweise heilig. Seine Damen hielten ohnehin viel auf ihren Schönheitsschlaf. Es klingelte erneut. Diesmal länger, ungeduldig. Und gleich darauf zum dritten Mal. Ärgerlich rappelte sich Hannes Weber hoch. Ein Blick zur Uhr. Kurz nach drei. Was sollte der Unsinn? Die Haustürklingel gellte ihm in den Ohren. Der aufdringliche Besucher gab nicht nach.

   „Geh endlich und jag die Nervensäge zum Teufel!“ zischte seine bessere Hälfte unter ihrer Decke hervor. Mühsam wälzte sich der Mann aus dem Ehebett. Er bekam kaum die Augen auf. Ein Griff zum Morgenmantel. Der Mensch an der Tür hämmerte inzwischen zusätzlich zum Klingelsingsang mit den Fäusten auf die Nerven der müden Hausbewohner ein. Das war zu viel! Weber explodierte förmlich. Was für eine Impertinenz! Mit Schwung riss er die Haustür auf.

   „Himmeldonner ...“

   „Kathrin Kranz. Mordkommission. Herr Weber?“ Vor ihm stand eine energische Dame. Sie hielt ihm ihren Ausweis und ein Stück Papier unter die Nase. Hinter ihr zwei Uniformierte. „Herr Weber, ich habe den Auftrag, Ihre Tochter Sarah in Haft zu nehmen. Sie steht unter dringendem Tatverdacht, heute Nacht einen Mord begangen zu haben. … Ist sie da?“

   „Ja ... nein ... ich weiß nicht ...“

   „Darf ich?“ Ohne eine weitere Antwort abzuwarten schob sich die Polizistin an dem konsternierten Menschen vorbei.

   „Würden Sie uns bitte zu Sarahs Zimmer führen.“

   „Sie kommt am Wochenende immer erst sehr spät heim. Ich weiß nicht ...“

   „Würden Sie uns bitte Sarahs Zimmer zeigen!“ Die Stimme der Beamtin klang so ungeduldig wie zuvor ihr Klingeln und Klopfen. Weber machte eine hilflose Handbewegung. Auf der Treppe erschien das bleiche Gesicht seiner Gemahlin. Mit weit aufgerissenen Augen verfolgte sie das Geschehen ohne wirklich zu begreifen, was da vor sich ging.

   Das Mädchen hatte von all dem nichts mitbekommen. Sie war erst vor kurzem zu Hause eingetrudelt. Tief und ruhig ging ihr Atem. Ihre weichen Züge hatten etwas beruhigend Friedliches an sich. Eine Märchenprinzessin, die wach zu küssen kein Prinz umhin gekommen wäre. Sarah hatte einen festen Schlaf. Nicht einmal die krachend aufplatzende Tür konnte sie wecken. Erst als ihre Schwester Joanna sich auf sie warf, sie hin und her rüttelte, kam Sarah zu sich. Sie wollte den Quälgeist wegschub-sen.

   „Eh!“ knurrte sie wütend „Lass den Quatsch. Verzieh dich!“

   „Die Polizei ist da. Du musst fliehen!“ Wie ein aufgescheuch-tes Huhn stob die Kleine durch das Zimmer der großen Schwester, wühlte sich durch deren herumliegende Plüschtiere zum Schrank und begann, wahllos irgendwelche Sachen in eine Reisetasche zu stopfen. Sarah war plötzlich hellwach.

   „Was? Spinnst du? … Hör sofort auf, in meinen Sachen ...“ Durch die offene Tür trat eine fremde Frau ein.

   „Sarah Weber? Ich muss Sie bitten, mich zu begleiten. Ziehen Sie sich an und packen Sie das Nötigste ein. Alles was Sie für einen längeren Aufenthalt benötigen. Zahnbürste, Nachtzeug und so weiter. Und Beeilung, wenn ich bitten dürfte.“

 

Wahnsinn mit Methode

 

   Ich hatte mich kaum hingelegt, da klingelte das Telefon. Ich registrierte es im Unterbewusstsein und beließ es dabei. Wenn man die Nacht auf zugigen Autobahnen, mit gestressten Verkehrspolizisten, in überheizten Abschleppwagen und beim Werkstattnotdienst zugebracht hat, weiß man, wo man hingehört. Unter die Bettdecke! Und zwar möglichst bis zum Nachmittag. Ob darüber gerade die Welt unterging oder nicht, war mir im Moment ziemlich Schnuppe. Ich drehte mich auf die andere Seite und zog mir das Kopfkissen übers Ohr. Vergeblich. Mürrisch schob ich meine Füße in die Filzpantoffeln. Sie hatten gerade angefangen, warm zu werden.

   „Hall ...“, schnarrte ich in die Hörmuschel.

 

   Was mich am meisten aus der Fassung brachte, war das viele Blut. Eine richtige Lache auf dem Teppich. Da, wo den Kreidestrichen nach zu urteilen der zusammengekrümmte Leichnam gelegen hatte. Blut am Spiegel. Blut am Bettgestell. Tropfspuren quer über das Laken. Blut auf dem Nachttisch. Blut in jenem Becher, der normalerweise vermutlich den dritten Zähnen oder einer Aspirin vorbehalten war. Überall Blut. Mir wurde speiübel. Der blanke Horror.

   Einer der Kriminaltechniker, die mit der Spurensicherung beschäftigt waren, schubste mich grinsend in den langen Flur zurück.

   „Tschuldigung, können Sie Ihre aufsteigenden Magensäfte woanders abladen? Wir sind hier noch nicht fertig. Hat diesmal ganze Arbeit geleistet, Ihre hübsche Mandantin.“ Verständnis-los blickte ich den Mann an. Er hob missbilligend die Brauen. „Geben Sie’s auf. Nach der dritten Nummer im gleichen Stil haben Sie eh keine Chance mehr. Sie war’s. Die Beweise sind erdrückend. Wissen Sie, was wir hier alles an Haaren, Woll-fusseln und so weiter finden? Unmengen! Und heute Nacht hat sie’s besonders heftig getrieben. Hat Ihnen das keiner erzählt? Das Wasserglas? Da steckte sein Pimmel drin. Den hat sie diesmal komplett abgesäbelt.“

   Es dauerte eine Weile, bis ich das Bad wieder verlassen konnte. Edles Ambiente. Mir wurde das seltene Vergnügen zuteil, mich in die Sanitärkeramik einer bekannten deutschen Porzellanbude entleeren zu dürfen. Was die Angelegenheit, unter uns gesagt, nicht sonderlich angenehmer machte. Nebenan, in der Wanne, sofern man diesen stattlichen Whirlpool überhaupt als Wanne bezeichnen konnte, stand noch das Bade-wasser des vergangenen Abends. Ob da Sarah ...? Außer den Spezialisten im Schlafzimmer, die weitere Hinweise auf das nächtliche Treiben sammelten, war niemand mehr am Tatort, der mir über den Stand der Ermittlungen etwas sagen konnte. Genau genommen hatte ich fürs erste auch genug gesehen und gehört. Also verließ ich die ungastlichen Hallen so schnell als möglich. Höchste Zeit. Mein Magen meldete sich bereits zum zweiten Mal. So sensibel kannte ich ihn gar nicht. Vielleicht hatte ich mir letzte Nacht auf der Autobahn was eingefangen. Ein Wunder wär’s nicht.

   Als ich auf dem Revier eintraf, hatte Sarah schon die erste Runde Verhör hinter sich. Kathrin Kranz, meine spezielle Freundin, war schnell. Zu schnell.

   „Herrschaften! Hatte ich vorhin am Telefon nicht ausdrücklich gesagt, keine Befragung ohne mich? Frau Weber, wollen die Ihnen irgendwas anhängen? Ich hoffe, Sie haben nichts gesagt.“ Sarah antwortete nicht, starrte nur vor sich hin. Kathrin Kranz verdrehte die Augen.

   „Brechen Sie sich keinen Zacken aus der Krone, Hall. Wir haben nur zwanglos geplaudert. … Übrigens: Guten Morgen!“

   „Kann kein guter Morgen werden, wenn wir beide uns über den Weg laufen. Und zwanglos geplaudert wird hier auch nicht ohne mein Einverständnis. Merken Sie sich das bitte, Frau Kommissarin.“ Sie winkte ab.

   „Spucken Sie keine Töne, Hall. Raten Sie Ihrer Mandantin lieber, endlich auszupacken. Wenn sie kooperiert, verspreche ich Ihnen, dass ich mich für mildernde Umstände einsetze. Das würde uns nämlich ne Menge Arbeit sparen. Habe ich mich klar ausgedrückt, lieber Herr Hall?“

   „Schon kapiert! Sie suchen ein bequemes Opfer, damit Sie um gründliche Ermittlungen rumkommen. Nicht mit mir!

   Und jetzt würde ich Sie bitten, mich allein mit meiner Mandantin reden zu lassen. Liebe Frau Kranz!“

   „Vorsicht Hall! Wir lassen Sie hier mit Sarah allein. Aber überlegen Sie sich bitte anschließend ganz genau Ihre Wortwahl. Von Ihnen lass ich mir nicht auf der Nase herumtanzen. Nicht von Ihnen!“

   Nachdem der Raum leer war, setzte ich mich dem Mädchen gegenüber. Mein Gott, sah die Kleine schlecht aus. Die weichen Gesichtszüge … verkrampft. Die sonst so leuchtenden Augen … stumpf und leer. Wirre Haare zottelten um blasse graue Wangen. Man hatte ihr anscheinend nicht mal Zeit gelassen, sich zu kämmen. Scheiße! Womit beginnen?

 

   Seit ich vor gut einer Woche den Anruf von Weber bekommen hatte, ich solle die Vertretung seiner Tochter übernehmen, war so ziemlich alles schief gegangen, was schief gehen konnte. Dabei klang der Auftrag zunächst ganz simpel. Vermutlich aus Geldgier hatte sich die Göre auf ein Verhältnis mit einem reichen Gönner eingelassen. Mit einem Professor der hiesigen Uni. Ein Bekannter des Herrn Papa. Eine einmalige Entgleisung, hatte es geheißen.

   Dummerweise war der feine Lehrer auf ziemlich brutale Weise vom Leben zum Tode befördert worden. Einen Schnitt in den Penis und einen durch die Gurgel. Mit eiskalter Präzision und einer Art scharfem Messer. Von der Mordwaffe fehlte jede Spur.

   Ausgerechnet am Vorabend nun hatte Sarah nachweislich ein Date mit dem alten Zausel gehabt. Mein Engagement sollte eine reine Vorsichtsmaßnahme sein. Leicht verdientes Geld. Das zierliche Kind mochte hochnäsig, leichtsinnig, naiv und was weiß ich nicht alles sein. Von mir aus auch berechnend. Welche Frau wäre nicht berechnend? Dämlich war Sarah aber definitiv nicht. Und so viele Spuren zu hinterlassen, wie sie es getan hatte, wäre, gesetzt den Fall, sie wäre die Mörderin gewesen, ziemlich dämlich gewesen. Nein, sie war keine Mörderin. Diese Überzeugung ihrer Eltern teilte ich vom ersten Augenblick an unbesehen.

   Drei Tage später allerdings änderte sich die Lage erheblich. Eine zweite Leiche. Wieder ein gut betuchter älterer Herr. Wieder die bekannte Schnittfolge. Wieder kein Raubüberfall. Dafür an der Nachttischlampe Sarahs Telefonnummer. Schluss mit lustig! Sarah war um die Tatzeit herum zwar in einer Disco gesehen worden, vorher jedoch wies ihr Alibi Lücken auf. Schließlich musste sie zugeben, tatsächlich auch diesen Herrn besucht zu haben. Sie schwor Stein und Bein, dass er noch gelebt habe, als sie ihn verließ. Zeugen gab es dafür naturgemäß nicht. Die Story von dem einen alten Gönner war damit vom Tisch. Gab es vielleicht weitere Freier?

   Jedenfalls fiel es zunehmend schwerer, die Staatsanwältin zu überzeugen, dass der von Kathrin Kranz geforderte Haftbefehl übertrieben wäre. Genau genommen hatte ich lediglich davon profitiert, dass die Frau Kommissarin die wundervolle Gabe besaß, sich überall nach Kräften unbeliebt zu machen. Ihr Diensteifer wirkte mitunter penetrant.

    Jetzt allerdings sah ich wirklich keine Möglichkeit mehr, Sarah schnell aus ihrer Patsche zu helfen. Vielleicht war es am Ende sogar besser, sie ein paar Tage aus dem Verkehr zu ziehen. Warum begriff sie nicht, dass sie wenigsten das Ende der polizeilichen Ermittlungen abwarten musste, bevor sie erneut ihrem sicher lukrativen Zeitvertreib nachgehen konnte?

 

   „Ich war es nicht.“ Sarahs Worte rissen mich aus meinen Gedanken.

   „Aber Sie waren da, heute Nacht?“

   „Schon. Aber ich war es nicht?“

   „Wer war es dann? Haben Sie einen Verdacht?“ Sie schüttelte den Kopf.

   „Können Sie mir sonst irgendwas sagen?“ Kopfschütteln.

   „Und warum waren Sie da?“ Schulterzucken.

   „Er hat mich angerufen.“

   „Als Sie gegangen sind, hat er gelebt?“

   „Ja.“

   „Gut. Passen Sie auf. Wir kommen so nicht weiter. Die Haft kann ich Ihnen vorläufig nicht ersparen. Ich muss überlegen, was zu tun ist. Ihre Eltern konsultieren. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit gegen Kaution. Sie sollten auf jeden Fall nachdenken, ob es nicht mehr gibt, das ich wissen sollte. Dass Sie es nicht waren, können Sie der Frau Kommissarin sagen. Sonst nichts. Kein Wort. Haben Sie mich verstanden? Lassen Sie mich reden.“ Sie nickte. „Und auch zu keinem anderen ein Wort, wenn ich nicht dabei bin. Versprechen Sie mir das?“

   „Ja.“

   „Gut, dann können wir die Bullen wieder rein lassen. Die scharren vor der Tür bestimmt schon ganz ungeduldig mit den Hufen.“ Es sollte ein Scherz sein. Irgendwie war uns aber beiden nicht zum Lachen.

 

   „So gegen zehn ist sie gegangen. Was weiß ich wohin! Zu dem Kerl wohl. Oder? Mir erzählt sie ja nichts.“ Barbara Weber, Sarahs Mutter, schnäuzte sich. Ihre Augen waren rot vom vielen Weinen. Erregt sprang ihr Mann auf.

   „Jedenfalls hat Sarah ihn nicht umgebracht.“

   „Sagt sie“, warf ich ein. 

   „Das steht fest. So was würde meine Tochter nicht tun. Nie. … Finden Sie raus, wer’s war und entlasten Sie Sarah! Das ist Ihr Job. Dafür bezahle ich Sie!“ Er schnaufte hörbar.

   „Ich bin Anwalt, kein Detektiv! Wenn Sie es wünschen, kann ich aber gern einen engagieren. Könnte hilfreich sein.“ Die herablassende Art dieser Leute ärgerte mich. Schon beim ersten Treffen. Geringschätzig hatte Sarah mich taxiert. Ich stand nicht auf Designerklamotten. Und von Idealgewicht konnte keine Rede sein. Dafür lebte ich zu gern ein bisschen zu gut. Der wehleidige Blick aus den tiefen dunklen Augen des Mädchens zu ihrem Vater sprach Bände: Muss ich wirklich mit diesem naduweißtschon Typen reden?

   Als sie dann zu sprechen begann, gab sie sich betont cool. Sie könne halt mit grünen Jungs nichts anfangen. Und wenn ein guter Freund einen einlade und einem was schenke, sei dagegen wohl nichts einzuwenden. Sei ihre Sache. Oder besser seine. Alles andere wäre dummer Zufall gewesen.

   Gelangweilt ihre Stimme. Ausdruckslos ihr Gesicht. Lediglich die dunklen Augen ließen vermuten, dass sie zu anderen Regungen fähig war. Wunderschöne Augen übrigens. Was sollte ich von diesem Mädchen halten? Irgendwie passte das ganze Gehabe nicht zu ihr. Irgendwas war faul im Staate Dänemark. Genau genommen ging mich das alles jedoch nichts an.

   „Fakt ist, wenn ich Sarah verteidigen soll, wenn ich ihre Unschuld vor Gericht beweisen soll, brauche ich konkrete Anhaltspunkte. Fakten. Was meinen Sie, was ein Staatsanwalt alles vorliegen haben muss, damit er einen Haftbefehl unterschreibt? Beim jetzigen Stand der Dinge bekomme ich Ihre Tochter nie im Leben aus der Untersuchungshaft. Selbst wenn Sie noch so viel Kaution bieten. Die Kripo hält das Mädchen für gemeingefährlich. Frau Kranz haben Sie ja kennengelernt. Wenn die sich in eine Sache verbeißt ...“

   Barbara Weber schluchzte. Ganz klein, völlig in sich zusammengesunken, kauerte sie in der riesigen Couchgarnitur. Krasser konnte der Kontrast zu dem riesigen Zimmer nicht ausfallen. Dunkles Parkett und schwere Teppiche gaben dem Raum ein wohlig gediegenes Aussehen. Die breite Holztreppe, die ins Obergeschoß führte, teilte ihn in zwei Erlebnisbereiche. Der von mir aus gesehen hintere Teil war nur spärlich möbliert. Er schien so eine Art privater Galerie der Webers zu sein. Kräftige Farben und abstrakte Figuren dominierten. Bill, Müller-Eibenstock und Altenbourg. Nicht gerade Allerweltskram. Die Leute hatten Geschmack. Am Fenster plätscherte ein Zimmerspringbrunnen. Ein ausladender Leuchter hüllte den Raum mit seinen Kerzen in warmes, weiches Licht. Es wehte ein Hauch von Vivaldi. Das Violinenkonzert. Kaum hörbar aber präsent. Ein Hauch eben. Hervorgezaubert von einer sündhaft teuren Musikanlage. Alles vom Feinsten.

   Unter normalen Umständen ein Traum. Jetzt empfand ich die Atmosphäre als Alptraum. Hannes Weber zuckte mit den Schultern.

   „Und nun?“

   „Hat sie denn nicht irgendwas gesagt, vorher oder hinterher? Nachdem sie weg war, meine ich?“ Schweigen.

   „Wann sie wiederkam, weiß ich nicht.“ Das Sprechen fiel Barbara Weber sichtlich schwer. „Wir haben geschlafen. … Heute morgen ... ich weiß nicht ...“ Sie schluckte.

   Immer wieder dieses ‚ich weiß nicht’. Ich weiß nicht. … So viel Nichtwissen über die eigene Tochter ging mir zunehmend auf die Nerven. Aber ich sagte nichts.

   „Na ja, ... doch. So um viertel drei war’s wohl. Ich bin durch Sarahs Lachen munter geworden. Hat wahrscheinlich Joanna geärgert. Und dann hat sie gelacht. Ziemlich laut. Ich wollte erst schimpfen, hab’s aber gelassen. Sie war in den letzten Tagen so still und verschlossen. Und jetzt plötzlich so ein Lachen. Das hat mich halt auch wieder gefreut. Deshalb war der Schock umso größer, als die Polizei kam. … Ich war da gerade wieder eingeschlafen.“ Weiter kam die Frau nicht mit ihrem Bericht. Tränen. Ihr Mann stand am Fenster. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen.

   „Wissen Sie“, begann er schließlich leise, „genau genommen haben’s diese Schweine nicht besser verdient. Seien wir mal ehrlich. Weil sie bei ihrer Alten daheim den Schwanz nicht mehr hochkriegen, kaufen sie sich solche unerfahrenen jungen Dinger. Es ist zum Kotzen!“ Seine Stimme klang seltsam. Wütend und weich zugleich. Mich beschlich ein ungutes Gefühl. Waren ihm solche Anwandlungen am Ende selbst nicht ganz fremd? „Da schenkt man seinem Kind alle Liebe und Aufmerksamkeit und dann kommt so ein Kerl und zerrt es in den Dreck.“ Ein gekränktes Vaterherz? Oder gar Eifersucht?

   „Immerhin ist sie freiwillig hingegangen“, wagte ich einzu-werfen, „und Sie haben sie gehen lassen.“

   „Was soll das heißen? Halten Sie mich für’n Zuhälter?“ Wutschnaubend fuhr der Mann herum. Das Weinen wurde lauter.

   „Wenn Sie uns beleidigen wollen, hauen Sie lieber gleich ab!“ Er kam einen Schritt auf mich zu. Ich stand auf.

   „Hannes!“ unterbrach ihn seine Frau mit tränenerstickter Stimme. Und zu mir: „Entschuldigen Sie bitte!“ Ich verneigte mich leicht.

   „Nein, entschuldigen Sie! Ich wollte Sie keineswegs beleidigen. Vielleicht hab ich mich falsch ausgedrückt. Ich möchte nur herausfinden, was passiert sein könnte und wie es dazu gekommen ist.“ Er winkte ab.

   „Finden Sie’s raus und verschonen Sie uns mit ihren Weisheiten. Geld spielt keine Rolle. Wenn Sie einen Detektiv brauchen, engagieren Sie einen.“

   „Ich tu was ich kann.“ Ich griff nach meinem Mantel. Den Weg hätte ich mir sparen können. War heute wohl kein guter Zeitpunkt für ein sachliches Gespräch. Die Nerven lagen blank. Ich sollte endlich bisschen Schlaf nachholen. Vorher einen gesitteten Scotch zum Tagesausklang. On the rocks. Irgendwo in einem rauchigen Pub. Oder vielleicht doch lieber vor dem heimischen Fernseher? Genau. „Wiedersehen.“

   „Schon gut, mir tut’s auch leid.“ Mein Auftraggeber reichte mir die Hand. Es sollte wohl so eine Art Versöhnungsgeste sein. „Ist halt alles so furchtbar, wissen Sie. Was sollen wir machen? Das Mädel ist achtzehn und ich bin nicht ihr Baby-sitter. Von mir hat sie immer genug Geld gekriegt, damit sie nicht auf andere angewiesen ist.“

   „Zuviel.“ Die Mutter hatte sich etwas beruhigt.

   „Wie zu viel?“

   „Na du hast ihr immer jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Davon war ich nie begeistert.“

   „Was soll das denn nun wieder? ‚Immer’! Ich bin doch fast nie zu Hause. Wenn hier jemand was an der Erziehung falsch gemacht haben könnte, dann bestenfalls du. Außerdem begreife ich nicht, was das mit unserem Problem zu tun haben soll.“

   „Du begreifst nie was. Schleppst am Wochenende die teuren Geschenke an und ich kann im Rest der Woche sehen, wie ich mit den Mädels klarkomme. Was in deren Köpfen wirklich vorgeht, davon hast du überhaupt keine Ahnung!“ Ihre Tränen rollten ungehemmt.

   „Na das ist ja die Höhe! Jetzt bin ich dran schuld, dass deine Tochter Nutte spielt!“

   „Hannes!“ Leise schloss ich die Wohnzimmertür hinter mir. Was da drinnen zwischen den beiden abging, hatte mich nicht mehr zu interessieren. Wenngleich ich es aufschlussreich fand.                 

 

   Draußen umfing mich das Flair der „guten alten Zeit“. Leipzig-Gohlis ist ein besonderes Viertel. Beeindruckende Villen mit noch beeindruckenderen Gärten dahinter. Meist nicht sonderlich gepflegt. Das gewisse Etwas gibt ihnen der uralte Baumbestand. Unvergängliche Noblesse vergangenen Bildungsbürgertums.

   Heute zierten Begriffe wie „Grundstücks-verwaltung“ oder „Assekuranz und Kapital Consulting“ die Haustüren. In dieser Ecke der Messestadt hielt ich mich ehrlich gesagt ungern auf. Viele meiner Kollegen betrieben hier ihre Kanzleien. Tür an Tür mit neureichen Möchtegernstars aus Wirtschaft, Kunst und Politik. Klüngel. Geschmackssache.

   Dem Himmel über Gohlis war die ganze Bagage schnuppe. Sternenklar dekorierte er die malerische Kulisse. Kassiopeia, Orion, Großer Wagen ... Apropos Wagen. Vergeblich suchte ich vor der Haustür nach meinem Auto. Hatte ich das nicht...? Quatsch! Das war ja Schrott. Bis auf weiteres musste ich nach einem blauen Leihwagen Ausschau halten. Und der stand direkt vor mir. Müde quälte ich mich hinter das ungewohnte Lenkrad. Der Motor sprang sofort an. Nicht ganz so kultiviert, wie ich es gewohnt war, aber immerhin. Neben mir klappte die Beifahrertür.

   Erschrocken fuhr ich herum. Ehe ich etwas sagen konnte, saß ein Mädchen von schmaler Statur mit schulterlangem Haar an meiner Seite und befahl in nervösem Tonfall:

   „Nu fahrn Sie endlich paar Meter! Muss uns nich jeder beieinander sehn. Na los!“ Ein aufgedrehtes Kind. Es war Joanna, Sarahs Schwester. Fünfzehn Jahre. Wirkte älter. Ich hatte sie bisher erst einmal gesehen. Hübsch. Sah ihrer Schwester verdammt ähnlich. Ausgesprochen lange Beine. War auf dem Beifahrersitz nicht zu übersehen. Sie trug ein für die Kälte übertrieben kurzes Röckchen. 

   Wunschgemäß fuhr ich um zwei Straßenecken. Am Ende der Pölitzstraße, vor dem Bauzaun, der die Wohnsiedlung von den Kleingärten im Rosental trennte, hielt ich. Unter ausladenden Ästen eines kahlen, grauen Baumes, den ein Schildchen als naturgeschützte Ulme auswies, parkten wir einigermaßen ungestört. Die edlen Stadtvillen rechts und links waren erst vor kurzem fertiggestellt oder saniert worden. Die meisten standen leer. Der große Nachfrageboom nach teuren Wohnungen war vorüber.

   „Na schön“, begann ich, „und wie weiter?“

   „Ich muss mit Ihnen reden, Herr Hall.“

   „Hätten wir das nicht im Haus machen können?“

   „Wenn meine Eltern zuhören? Pah.“ Ich runzelte die Stirn.

   „Okay. Dann schießen Sie mal los, wo Sie mich schon gekidnappt haben.“ Im Halbdunkel sah ich, dass sie lächelte. Für ihr Alter hatte sie, wenn sie nicht gerade hysterisch herumkommandierte, eine ziemlich angenehme weiche Stimme.

   „Duzen Sie mich bitte. Ich heiße Joanna.“ Sie reichte mir ihre Hand.

   „Ich weiß, hm, in dem Fall ... Martin.“ Für meine Begriffe drückte sie meine Hand etwas zu lange.

   „Sie wollen doch wissen, warum Sarah heute so fröhlich war, so gelacht hat, wie meine Mutter sagte?“ Das kleine Luder hatte also gelauscht. „Sie hat sich gefreut, weil der Kerl, den sie heut Nacht geschlachtet haben, der erste von ihren Freiern war, der sich von den Zeitungsmeldungen nicht hat verschrecken lassen und wieder angerufen hat. Und der gehört ... nee gehörte ...“, sie kicherte, „... gehörte zu denen, die am besten gezahlt haben. Und heute, da hat er sogar richtig tief in die Tasche gegriffen. Richtig dicke Knete! Verstehen Sie?“ Ich spürte, dass sie mich aufmerksam musterte. Offenbar genoss sie die Wirkung ihrer Worte. Tatsächlich war ich einigermaßen sprachlos. Natürlich hatte ich mir so was in der Art gedacht. Aber irgendwie klang das, was mir die Kleine da auftischte, als wären Sarahs bisherigen Geständnisse nur die Spitze eines Eisberges. Vorausgesetzt,  Joanna sprach die Wahrheit.

   „Wie Freier? Ich denke, Sarah hatte nur zwei, drei ältere Freunde, die sie, sagen wir mal, ausgehalten haben für ihre ... hm ... Freundschaftsdienste. Gibt es mehr von denen?“ Die Kleine kicherte wieder. „Viel mehr?“

   „Viel mehr! Also, in der letzten Zeit jedenfalls. Die macht’s doch mit jedem, wenn nur die Kohle stimmt. Und meine Schwester ist nicht billig. Is ne reelle Sache, so nach Schulschluss. Schnell verdiente Scheine.“ Bei ihren letzten Worten war Joanna näher an mich herangerückt. Ihr durchdringender Blick und der Hauch ihres Atems so dicht neben meiner Wange irritierten mich. „Also ich find’s total cool. Und du?”

   Graziös schlug das Mädchen ihre Schenkel übereinander. Was nützte es, sich klarzumachen, neben dir sitzt ein Kind, wenn doch alles an ihr, besonders im Halbdunkel des Wagens, eine andere Sprache sprach. Ihr Haar umschmeichelte meine Schulter. Absicht. Sie hielt den Kopf schräg. Ihre vollen Lippen leicht geöffnet. Raffiniert einstudiert. Unter dem engen Top zeichneten sich kleine Rundungen ... Nein!

   Ich drehte mich weg. Wann hatte ihr Vater Joanna zum letzten Mal den Hintern versohlt? Vermutlich noch nie. Sollte er umgehend nachholen. Der Mund wurde mir trocken. Ich war wütend. Auf mich! Sind eigentlich alle Männer schwanz-gesteuert? Das wäre immerhin eine Entschuldigung. Für amerikanische Präsidenten. Nicht für mich. Ich sollte mal einen Psychologen konsultieren. So kann doch kein Mensch sinnvoll arbeiten. Himmel, Arsch und Zwirn!

   „Nein. Ich nicht. Ich find es nicht cool.“ Ich ließ meine Fensterscheibe runter. Bemüht desinteressiert blickte ich nach draußen. Die kalte Nachtluft tat gut. „Wie viele potentielle Leichen haben wir denn zu erwarten?“ Offenbar enttäuscht vom Gang der Dinge rückte Joanna wieder ein Stück von mir ab.

   „Keine Ahnung. Meine Schwester ist mir keine Rechenschaft schuldig. Außerdem hat ihr Job nichts mit den Morden zu tun! Zufall.“

   „Zufall?“ Ich nickte. „Immer mit der gleichen Masche und immer nach Sarahs Hausbesuchen. Dreimal. Ist das nicht komisch?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Versteh mich nicht falsch. Ich steh auf Sarahs Seite, will ihr helfen. Aber es muss eine Verbindung von ihr zu dem Mörder geben. Die müssen wir finden, wenn wir Sarahs Unschuld beweisen wollen.“

   Joanna zupfte unbeteiligt ihr Top zurecht. Ich saß in der Zwickmühle. Reichte ich dem kleinen Biest auch nur eine Fingerkuppe, war Ärger programmiert. Andererseits nutzte mir eine verstockte Joanna erst recht nichts. Denn dass sie mehr wusste, sah ich ihrer Nasenspitze an. Wenn ich mich also höflich verabschiedete, konnte ich diese Informationen in den Wind schreiben. Aber so wie ich sie verstanden hatte, ging es ihr primär um Geld. Vielleicht war sie mit einem Trick zu ködern.

   „Sag mal, liebe Joanna“, ich wandte mich wieder zu ihr um und legte väterlich meinen Arm um ihre Schulter, „willst du dir nicht ein paar Mark verdienen?“ Ob meiner plötzlichen Direkt-heit klappte ihr Unterkiefer herunter. Bevor sie etwas antworten konnte, fügte ich schnell hinzu, „Ich meine, für die Adressen und Namen von Sarahs Freiern würde ich schon was springen lassen.“ Joannas Mund klappte zu. Ich spürte, ihr Gehirn arbeitete fieberhaft. Nach einer Weile siegte die Gier über ihre Loyalität.

   „Na ja, die hab ich nicht parat. Und ob ich alle finde, weiß ich nicht. Aber wenn ich Sarahs Zimmer mal durchsuche ... Irgendwo muss sie die ja haben. Jedenfalls die Stammkunden. Bloß, wenn Sarah rauskommt und das mitkriegt. Die bringt mich glatt um!“

   „Für wieviel würdest du’s riskieren?“ Sie überlegte kurz.

   „Fünfzig?“

   „Pass auf, ich geb dir sogar hundert, wenn du mir außerdem sagst, wie lange sie das macht und wie alles angefangen hat.“ Die Kohle würde ich ihrem Vater in Rechnung stellen. Er musste nicht wissen, welche Informantin ich schmierte. Immerhin wollte ich seiner Tochter nur helfen. Was konnte ich für den Charakter seiner Kinder. Diesmal brauchte Joanna nicht lange zu überlegen.

   „Das erste Angebot hat sie gekriegt, da war sie so alt wie ich jetzt. Fünfzehn. Die dumme Pute hat aber fast ein Jahr gewartet, bis sie’s angenommen hat.“ Joannas Gesichtsausdruck wirkte sehr überlegen. „War ein Bekannter von Papa. tausend Mark hat er ihr geboten. Stell dir das mal vor! … So richtig los ging es aber erst nach Sarahs achtzehntem Geburtstag. Weißt ja, bei Minderjährigen haben die meisten Kerle Schiss vor der Sitte. Du doch auch, oder?“ Sie kicherte. Mir wurde schwül. „Jedenfalls hat’s dann wirklich gebrummt. Bloß nicht sehr lange. Mit dem zweiten Mord kam Sarah wie du weißt ins Gerede. Den Rest kennste selber.“

   Bei mir brummte es nach dieser Offenbarung auch. Im Schädel. Vor einer Woche war ich engagiert worden, ein harmloses junges Ding aus gutem Hause zu beschützen, ihr gegebenenfalls Rechtsbeistand zu gewähren, weil sie aus Leichtsinn mit einem netten alten, inzwischen verstorbenen Herrn ein Feierabendverhältnis begonnen hatte. Mehr nicht. Nun saß das Mädchen als Hauptverdächtige einer ganzen, abartigen Mordserie ein und ich bekam es notfalls sogar mit der hiesigen Rotlichtszene zu tun. Futterneid wäre ein verdammt gutes Motiv, jemandem was anzuhängen. Die Jungs kannten kein Pardon, wenn ihnen wer ins Handwerk pfuschte. Es sei denn, die oder der Betreffende beteiligte sie am Gewinn.

   Natürlich konnte auch die These der Kommissarin stimmen. Aber davon durfte, konnte und wollte ich nicht ausgehen. Ich war Sarahs Anwalt. Wenn sich eine Verbindung ins Rotlicht-milieu auftäte, wäre das zumindest eine Spur, auf die ich setzen konnte. Warum zum Kuckuck hatte sie sich keine andere lukrative Freizeitbeschäftigung suchen können, um ihre Traummaße zu vermarkten? Als Fotomodell oder so. Was ging im Kopf des Mädchens vor? Joanna riss mich aus meinen Überlegungen.

   „Mehr weiß ich nicht. Was ist mit der Knete?“

   „Fünfzig gleich, den Rest, wenn ich die Adressen habe.“ Ich drückte ihr den Schein in die Hand. „Alles klar, Partnerin?“

   „Alles klar, Partner!“ Zufrieden steckte sie ihr Geld ein. „Aber versuch nich, mich zu bescheißen. Wenn du die Adres-sen hast und ich krieg kein Geld, erzähl ich allen, dass du mich angrapschen wolltest. – Tschüssi!“ Sprach‘s und sprang aus dem Wagen. Hübsche Beine aber ein hässlicher Charakter. Da war Vorsicht angebracht. Immerhin konnte sie mir wirklich nützlich sein. War mein abendlicher Ausflug doch nicht ganz umsonst gewesen. Versöhnt mit mir und der Welt machte ich mich auf den Heimweg.

 

   Müde kippte ich mir meinen Scotch hinter die Binde. Und gleich einen zweiten hinterher. Auf einem Bein kann man nicht stehen. Single Malt vom Feinsten. Schade um das gute Zeug. Dafür hatte es zwölf lange Jahre im schottischen Hochland in spanischen Sherry-Fässern aus nordamerikanischer Eiche reifen dürfen. Eine Schande. Zumindest das dritte Glas wollte ich dem Malt zuliebe genießen.

   Ich knipste die Glotze an, um mich abzulenken. Der Versuch misslang. Die Spätnachrichten brachten einen ausführlichen Bericht von der Mordserie in Leipzig. Sarah, zwei Polizisten und Kathrin Kranz auf dem Weg zum Revier. Nebst Stellungnahme der Staatsanwältin Mercedes von Greiffen. Gleich früh am Samstagmorgen! Seit wann standen Journalisten am Wochenende so zeitig auf? Hatte die mediengeile Lady sicher persönlich eingefädelt. Harte Hand demonstrieren – ihre Devise. In dem Punkt waren sich die beiden Damen ähnlich. Hart, unerbittlich und dieses Image stets allen deutlich vor Augen halten. Nur dass die Greiffen nicht ganz so aufdringlich agierte wie Kranz. Dafür war sie im Gerichtssaal ein umso schwerer Brocken.

   Vielleicht war es genau das, das ähnliche persönliche Konzept, dass sie einander nicht riechen konnten. Aber ehrlich gesagt konnten mir die Gründe Wurst sein. So lange es mir gelang, die Animositäten der Staatsanwältin gegen die Polizistin und umgekehrt für meine Zwecke zu nutzen, war für mich die Welt in Ordnung.

   Sollte mich vielleicht vorsichtshalber bei Kathrin Kranz wegen heute Vormittag entschuldigen. Sie liebte kleine Unterwerfungsgesten. Und wer weiß, was im anstehenden Verfahren noch alles auf mich zukam.

   Wieso hatten die Fernsehfuzzis es eigentlich nicht für nötig befunden, mal bei mir wegen einer Gegendarstellung anzurufen? Wurden auch immer schlampiger bei ihren Recherchen. Müsste ich Montag unbedingt meinerseits anklingeln und darauf bestehen. Und dann? Eine Strategie entwickeln.

   Ob Sarah nur ein kleines arrogantes Miststück war oder eine eiskalte Serienkillerin, blieb für mich, ihren Anwalt, uner-heblich. Nach dem, was Joanna mir erzählt hatte, konnten x Leute ein Motiv haben, Sarahs Lover zu killen. Das Mädchen bot mit ihrem Leichtsinn exzellente Angriffsflächen. Es bestand selbst die Möglichkeit, dass die Toten in diesem Spielchen eigentlich unwichtig waren und über die Tochter lediglich der Vater getroffen werden sollte. Jedenfalls stand inzwischen fest, dass die drei Leichen keineswegs liebe Onkels gewesen waren, die sich nur mal zu einem Seitensprung hatten verführen lassen. Es waren gezielt auf entsprechende Angebote abfahrende Gelegenheitsficker. Keine Puffgänger sondern ehrenwerte Herren, die sich ihr exklusives Hobby etwas kosten ließen. Ob sie von Sarahs neuerdings entwickelter Geschäftstüchtigkeit wussten? Ob sie ahnten, dass sie mittlerweile keineswegs mehr exklusiv behandelt wurden? Gelänge es mir, nachzuweisen, dass die Westen der Herrschaften längst nicht so weiß waren, wie vermutet ...  Und gelänge es mir, neue Verbindungen in dieser Sache zum Beispiel ins Rotlichtmilieu aufzudecken, stiegen mit Sicherheit die Chancen, Sarah wenigstens bis zur Hauptverhandlung aus der U-Haft zu bekommen. Denn, so sehr mir der Gedanke behagt hatte, Sarah erst mal außerhalb der Schusslinie zu wissen, geschützt vor der eigenen Leichtsinnigkeit, so sehr wurde mir zunehmend klar, dass sie da drin vor die Hunde gehen konnte. Zumal, wenn sich die Ermittlungen hinzögen.

   U-Haft ist mit Jugendstrafanstalten nicht vergleichbar. Dort gelten die gleichen rauen Sitten für alle. Und Sarah mit ihren achtzehn Jahren ... Ich müsste mir im Fall des Falles halt etwas einfallen lassen, um sie vor weiteren Dummheiten zu bewahren. Was, das war im Moment schwer zu sagen. Mir würde schon was einfallen, wenn es soweit wäre. Zunächst musste das Mädchen erst mal mir gegenüber reinen Tisch machen. Vielleicht hatte sie heute schon genug Zeit gehabt, über ihre Fehler nachzudenken.             

 

   Fehler, Fehler, immer wieder Fehler. Fehler des Mädchens, Fehler der Polizei, meine Fehler! Was hatte ich übersehen? Mir war, als drehte ich mich im Kreis. Klarer Fall von Orientierungslosigkeit. Unscharfe Bilder. Wo war Sarah hin? Große unübersichtliche Klötze verstellten mir die Sicht. Sie drehten sich auch. Trieben um mich herum. Lastautos. Tanzende Brummis! Wir tanzten auf einer riesigen Spritzeisbahn. Dazwischen verschiedene Männer und Frauen, die unseren Drehungen auswichen. Etwas kam auf mich zu. Mit ausgesprochen lasziven Bewegungen. Ein langbeiniges Mädchen. Nicht Sarah. Joanna auch nicht. Im Gegenlicht greller Brummischeinwerfer konnte ich sein Gesicht nicht erkennen.  Die Kleine gefiel mir. Anscheinend ich ihr auch.

   Ich fragte die Frau, wer sie sei und ob sie mit mir tanzen wolle. Sie antwortete nicht. Lächelte nur. Doch statt in meine geöffneten Arme zu kommen, schubste sie mich unvermittelt um. Rücklings stürzte ich auf den harten Boden. Sie kniete sich auf mich, öffnete meine Hose und zückte ein Messer.

   Schüsse fielen. Ganz aus der Ferne. Trotzdem klar und deutlich. Ich war verwirrt. Eine Schießerei passte überhaupt nicht ins Konzept. Eine Männerstimme rief, ich solle aufgeben. Ich hätte keine Chance. Woher kannte ich diese Stimme? Ich wollte antworten, jeder habe eine zweite Chance verdient. Es gelang mir nicht. Meine Kehle brannte. Das Messer kam bedrohlich näher. Ich hatte Angst. Nur, wo immer ich hin griff, mich zu schützen: Ich griff ins Leere. Das musste das Ende sein. Wahnsinn mit Methode. Bis zum bitteren Schluss. Dann schwanden die Schatten.

 

   Ich blinzelte. Es war immer noch mein Wohnzimmer. Im Fernsehen wiederholten sie zu später Stunde einen alten Krimi. Der beliebte TV-Kommissar führte gerade den Bösewicht ab. Es hatte eine Schießerei gegeben. Der Bursche hatte nicht die Spur einer Chance gehabt. Neben meinem Sessel lag das umgekippte Whiskyglas.