Absurde Schüttelreime und erotische Liebeserklärungen, passt das?

Heitere Satiren und bitterer Abschiedsschmerz in einem Buch?

Klassisches Versmaß und reimfreie Wortakrobatik?

Geht so etwas überhaupt zusammen?

Ja, es geht. So ist das Leben!

Sie mögen Erich Kästner? Joachim Ringelnatz?

Mascha Kaléko? Eva Strittmatter? Ingeborg Bachmann?

Christian Morgenstern? Dann werden Sie den Autor verstehen.


Leseproben

 

Auszüge aus „Lange Beine Lügen nicht“ von Wolfram Christ, Erschienen im AAVAA-Verlag am 1.Mai 2018

 

Anstelle eines Vorwortes:                                        Lange Beine lügen nicht

 

„Lange Beine lügen nicht“

heißt mein neuestes Gedicht.

Musste dieses hier so schreiben,

dürfte sonst nicht länger bleiben,

 

hat die Dame mir gedroht.

Große Not!

Nun, ich bin ein Mann der Tat.

Ich weiß Rat.

 

Gebe drum zu Protokoll:

Nein, sie ist nicht liebestoll!

Sie hat mich auch nicht betrogen,

bleibt mir weiterhin gewogen,

 

wenn ich’s öffentlich erklär.

Fällt nicht schwer.

Denn sonst müsste ich, oh Graus,

heut Nacht raus!

 

Gute Karten stechen besser

als ein scharfes Küchenmesser,

und sie sitzt am längren Hebel.

Also nehme ich den Knebel

 

und beende das Gefecht:

Du hast Recht!

Darf ich jetzt wieder ins Bett?

Das wär nett!

 

 

Band I der Doppelausgabe heißt

„Ständig was zu meckern! - Gereimte Ungereimtheiten und andere Merkwürdigkeiten“

und enthält satirische und absurde Texte, z.B.:

 

Affentheater

 

Es treffen sich zum Morgenkäffchen

Hans Pinguin und Karl, das Äffchen.

Sie reden über dies und das

und Affenfrau Felicitas.

 

Der Karl tät Feli gern besteigen,

allein die Spröde mag‘s nicht leiden.

Sie scheint viel eher zugetan

dem Herr Marquis de Pelikan.

 

Das findet Karl enorm verdrießlich.

Der Zoo erwartet von ihm schließlich,

dass es bei Affens Nachwuchs gibt.

Zumal er Feli wirklich liebt!

 

Das Äffchen muss sich kräftig schneuzen.

Er meint, selbst wenn sich beide kreuzen,

Felicitas und ihr Galan,

der aufgeblasne Pelikan,

 

was schlüpfte dann aus ihrem Ei?

Ein Wundervieh, mit viel Geschrei?

Ein Aflikan? Ein Pelikaffe?

Gar mit dem Hals einer Giraffe?

 

Denn Hans, der Pinguin, ein Held,

verwettet glatt sein Taschengeld,

dass er die Affenfrau erst neulich

bei den Giraffen sah. Abscheulich!  

 

Weswegen Karl sogleich beschließt,

dass er das ganz Pack erschießt.

Erst den Marquis, dann den Giraffe.

„Ein Mann, ein Wort!“ so schreit der Affe.

 

Hans Pinguin schenkt Kaffee nach.

Er mahnt entspannt: „Gemach, gemach,

mein Freund, bedenke den Krawall.

Die Schüsse hört man überall!

 

Und findet man bei dir die Waffe,

warst du die längste Zeit ein Affe.

Man stopft dich aus, so läuft das Spiel.

Und Feli? Treibt’s mit ‘nem Reptil!

 

Ach lass die Weiber, hat kein‘ Zweck,

trink noch ein Schlückchen auf den Schreck.“

„Hast recht“, knurrt Karl, „nun gib schon her!

Ich hab ja auch gar kein Gewehr.“

 

 

Von Kriechtieren und anderen Würmern

 

Der Regenwurm

vom schiefen Turm,

der gräbt seit einer Weile.

Er tut es ohne Eile.

 

Im Erdenreich

am Nordseedeich,

da gräbt beim alten Leuchtturm

Herr Wattwurm, dieser Feuchtwurm.

 

Recht still, doch warm

im langen Darm

vom Eilkamel im Sandsturm,

gräbt stolz ein kleiner Bandwurm.

 

Oh holdes Glück,

an einem Stück

zu graben, ohne Reue.

Und jeden Tag aufs Neue.

 

So ‘n Turm? Fällt um.

Der Deich? Wie dumm,

zerbricht durch eine Welle

genau an jener Stelle.

 

Das Wüstenschiff

läuft auf ein Riff

aus Sand und Stein und Hitze.

Das sind jetzt keine Witze!

 

Denn ewig sind,

mein liebes Kind,

auf dieser Welt nur Kriecher

und ähnlich dumme Viecher.

 

 

Im Banne der Schwerkraft

 

Schlafwandler fallen meist vom Dach,

viel seltener vom Keller.

Der Grund hierfür ist ziemlich schwach:

Bergab geht’s einfach schneller.

 

Ja abwärts ist‘s die reinste Lust.

Du rollst zu Tal, ganz sacht.

Was aber für ein Kletter-Frust,

führt er empor, der Schacht?

 

Und erst das Marmeladenbrot,

das fällt stets Richtung Hose.

Was folgt ist klar, die Frau sieht rot,

und wirft mit einer Dose.

 

Herr Schwerkraft ist’s, der alte Schuft.

Dank ihm fällt alles runter.

Ach stiegen wir doch in die Luft!

Das Leben wäre bunter.

 

 

Ständig was zu meckern

 

Politik, Kollegen, Wetter

und die ganze Rennerei!

Fernsehn, Nachbarn und dein Vetter,

im Verein, ganz einerlei:

 

Ständig musst du dich erregen,

ständig fühlst du dich im Arsch;

bist bei allem nur dagegen,

gibt’s Forelle, willst du Barsch.

 

Alle wollen dir nur Schlechtes,

alle sind viel besser dran.

Niemand bietet dir was Rechtes,

keinem bietest du was an.

 

Du hast keinerlei Ideen,

alle anderen sind blöd.

Kannst nur in der Ecke stehen.

Ach, dein Leben ist so öd.

 

Alle anderen sind schuldig,

fühlst dich so beschissen hier.

Hilft dir einer dann geduldig,

denkst du: Was will der von mir?

 

Hör doch auf mit dem Gejammer!

Ständig hast du was zu meckern.

Schwing dich raus aus deiner Kammer,

einmal klotzen, statt zu kleckern.

 

Komm, steh auf und habe Mut.

Einfach mal was selber machen!

Du wirst sehn wie gut das tut.

Kannst du vielleicht sogar lachen …?

 

 

Band II der Doppelausgabe heißt

"Wind in meinem Segel - Liebesgedichte für Anfänger und Fortgeschrittene"

und enthält romantische und erotische Texte, z.B.:

 

Die Kammer

 

in meinem Herzen gibt es eine Kammer;

nicht gleich auf den ersten Blick

und schon gar nicht von jedem

zu finden;

klein aber urgemütlich;

 

dort blüht eine Rose,

die duftet wie deine Haut

an einem warmen Sommertag

und schimmert wie dein Haar

im Schein des knisternden Kaminfeuers,

dessen Flammen gegenüber lodern;

Flammen,

hell und rein wie Gedanken

von denen du mir erzählst oder schreibst;

 

neben den Kamin habe ich

ein Glas Prosecco gestellt;

Prosecco deshalb,

weil der südländisch ist

wie dein Temperament,

prickelnd wie deine Nähe

und mich beschwipst macht

wie du,

wenn du bei mir bist;

 

manchmal läuft Musik,

leise,

mal traurig, mal fröhlich

wie deine Stimme,

die ich so liebe;

 

mitten drin im Zimmer

liegt ein großes Kissen;

ein Kissen,

das sich weich und warm anfühlt

wie deine Wange,

wenn du meinen Lippen erlaubst,

einen Kuss darauf zu hauchen;

 

von Zeit zu Zeit,

an langen Winterabenden,

allein mit mir und meiner Arbeit,

fern von dir,

zieh ich mich in diese Kammer zurück,

kuschle mich in das Kissen,

lausche den Klängen der Musik,

wärme mich an den Flammen,

nippe genüsslich vom Prosecco,

sauge den Duft der Rose ein

und bin also

ganz bei dir

 

 

Wind in meinem Segel

 

Du bist Wind in meinem Segel,

bist mein Wasser unterm Kiel,

auf der Kegelbahn die Kegel,

alle Neune Spiel für Spiel.

 

Ich bin Mühlstein deiner Mühle,

dreh mich nur für dich im Kreis,

und im Eismeer der Gefühle

brech‘ ich gern für dich das Eis.

 

Frage

Was tun, wenn einem

zwei aufgeweckte Augen

in einem hübschen Gesicht

nicht aus dem Kopf gehen?


Durstlöscherin

 

Wenn du weinst,

küss ich dir die salzigen Tränen weg.

Wenn du lachst,

trink ich aus deinen Augen Zuversicht.

Lass mich meinen Durst in dir stillen.

Du schmeckst nach mehr.

 

 

Durchschaut

 

Ein Blick von dir,

der mich durchschaut,

und deine Hand,

die mir vertraut,

sind wie ein Band

aus deiner Welt,

das mich umschlingt,

ganz unbedingt,

mich wärmt und hält,

dass ich nicht frier.

 

Was ist Glück?

 

Deinen Herzschlag, Liebste, spüren,

tauchen, tief in deine Augen,

deine warme Haut berühren,

atmend deinen Duft einsaugen,

 

neben dir voll Sehnsucht liegen,

zärtlichen Gedanken lauschen,

Ärger, Angst und Hass besiegen,

nach des Tages grauem Rauschen,

 

fühlen nur und kaum begreifen,

unendlich geborgen sein,

eng umschlungen wachsen, reifen,

träumen in die Nacht hinein,

 

jetzt nicht an das Nachher denken,

Zeit und Raum verlieren sich,

einfach den Moment verschenken,

du an mich und ich an dich;

 

morgen werd‘ ich dich vermissen,

deine Stimme, deinen Kuss,

find ein Haar auf meinem Kissen,

meiner Liebsten Abschiedsgruß;

 

eine Rose für dich klauen,

zum Lebwohl ein süßer Blick,

uns so ganz und gar vertrauen

und verstehen, das ist Glück!

 

 

Badeschaum

 

Dein zarter Flaum

im Badeschaum,

ich sag es ohne Faxen,

lässt mich entschieden wachsen.


 

frankfurter momentaufnahme                                                   

 

räder hetzen

 gummi auf asphalt

 stahl auf stahl

 über eine brücke

 wie viele

 

plötzlich

gleißend

zwischen hochhaustürmen

und schloten

abendsonne

dass es in den

augen schmerzt

 

abendsonne

auf dem main

 

mittendrin

ganz still

ein kleines

weißes segel

 

wär ich jetzt dort

mit dir

 

Das Band

 

Von Gipfeln her durch dieses Land

schwingt sich ein wundersames Band.

Der Atem einer Märchenfee

erfüllt die Luft, das Feld, den See.

 

Ist es des Sommers Blütenschimmer?

Der Schneekristalle Eisgeflimmer?

Des Herbstes rötlich braune Pracht?

Der Frühlingsblüten Duft zur Nacht?

 

Nein, dieser Zauber kommt von innen,

weht über Mauern, Burgen, Zinnen

durch Raum und Zeit aus tausend Herzen,

grad wie das Leuchten vieler Kerzen.

 

Es ist, was wir „zu Hause“ nennen.

Bei aller Arbeit, allem Rennen,

durch Lust und Mühsal, Auf und Nieder,

durch alte und durch neue Lieder,

 

zieht sich das Band seit alters her

von den Gebirgen bis zum Meer.

Über den Greis, die junge Schönheit,

ob wütend oder hilfsbereit.

 

Weht auch in mir und dir, den Erben.

Und werden wir dereinsten sterben,

geht dieses unsichtbare Band

in eine neue starke Hand.

 

Das Land hat uns seit je getragen.

In unsern Märchen, unsern Sagen

lebt das Vermächtnis unsrer Ahnen

in immer neuen alten Bahnen.

 

Ob wir es mögen oder nicht,

es ist in uns, ein helles Licht.

Dort brennt es, damit wir es teilen,

mit allen, die bei uns verweilen.

 

Wir sind die vielen, die einst kamen.

Wer kennt die Völker, nennt die Namen,

die ihre Spuren hinterließen,

aus der uns Kinder, Enkel sprießen?

 

Es war und ist, wird immer sein,

sehr hell und wahr und nicht nur Schein.

Ob du es ablehnst oder liebst,

ob du mit vollen Händen gibst,

 

ob du zurückgezogen lebst,

vielleicht auch nach den Sternen strebst,

das Band ist da, es webt in dir.

Es webt auch heute, jetzt und hier.

 

Das Band heißt Liebe, höchstes Gut,

ist unsre Freiheit, unser Mut,

ist unsre Heimat, allen offen.

Es trägt uns, lässt uns immer hoffen.

 

Sperr es nicht ein, fürchte dich nicht.

Es ist das stärkste, hellste Licht!

Es überwindet jeden Kerker.

Geteilt mit andern wird es stärker.